Erlauben Sie mir, dass ich mich vorstelle: mein Name ist Michiko.

Ja, genau: wie die japanische Kaiserin! Der Name bedeutet „schönes, weises Kind“, sagte man mir. Naja, das will ich hier mal nicht weiter kommentieren. Denn eigentlich heiße ich ja Xamba von Arlett, aber das war wohl irgendwie nicht so leicht zu rufen.

Ich bin acht Jahre alt und gehöre zu jenen Schäferhunden, die man gerne „Familienhunde“ nennt. Und meine Begeisterung für den Schutzdienst hielt sich denn auch trotz wohlgemeinter Versuche von Anfang an deutlich in Grenzen, Figurant hin oder her.

Aber dafür machen mir viele andere Dinge wirklich großen Spaß, und hier ganz besonders das Laufen mit meinem zweibeinigen Teamkameraden. Als Ausdauersportler hatte der irgendwann alle großen Marathons absolviert und keine wirkliche Freude mehr, alleine durch die Gegend zu hecheln. Aber seit wir zusammen unterwegs sind sei das allabendliche Jogging wieder sein Tages-Highlight, hat er mir glaubwürdig erklärt.

Und unsere Erfolge können sich denn auch sehen lassen! Im Geländelauf starten wir - im Gegensatz zur Konkurrenz - sogar über beide Distanzen (2 und 5 km) hintereinander, waren damit schon Bundessieger und stehen immer noch regelmäßig gemeinsam auf dem Siegertreppchen.


Aber unsere wirklich große Leidenschaft gehört dem Hundebiathlon, ursprünglich eine Vielseitigkeitssportart für Diensthunde, die (mal wieder!) die Schweizer erfunden haben. Dafür fahren wir zwei- bis dreimal im Jahr 600 km weit zu den Wettkämpfen bei unseren eidgenössischen Freunden, um atemberaubende zehn Kilometer lang gemeinsam über Stock, Stein und Hindernisse wie alte Autos, Wippen und Stege zu laufen, unter Netzen zu krabbeln, durch Bäche und Wassercontainer zu joggen oder manchmal sogar durch einen Pool zu schwimmen. Wie gesagt: beide gemeinsam, nicht nur ich alleine.

Und das Beste: wir Vierbeiner müssen – Hundesport einmal ganz anders – zwischendurch sogar von unserem Hundeführer getragen werden. Kurzum: so richtig was für einen ehrlichen Deutschen Schäferhund, vielseitig und spannend, eine aufregende Hatz für uns beide quer durchs unwegsame Gelände.

Und weil wir eben oft auch abends im Dunkeln joggend unterwegs sind kommt hier eine weitere Fähigkeit von mir zum Tragen: ich schnüffle gut und gerne und finde daher vor allem im Herbst immer jene winzigen Igelbabys, die es mangels ausreichender Fettreserven nicht alleine über den Winter schaffen würden.

Genau die wiederum päppelt meine Familie schon seit Jahren im Keller auf, ehe sie im Frühjahr wieder gut genährt in die Freiheit dürfen. Und daher wurde ich schon seit meinem Welpenalter auch darauf trainiert, Igel zu finden. Ein Igel, ein Leckerli – so lautet der Deal. Ok, satt wird man davon nicht! Aber wenn einer in der Nähe ist, dann find ich den auch, da hab ich meinen Ehrgeiz!


Um aber noch ein bißchen mehr für die Igel-Spezies als solche zu tun, besuchen wir jedes Jahr mit unseren Findlingen vor deren Freilassung ein paar Kindergärten, Grundschulen oder auch mal ein Gymnasium, um einen Vortrag über sie zu halten. So richtig mit Dias, Igel anfassen und was sonst noch lehrreich ist und bei den Kindern im Gedächtnis bleibt.
Ich sage ausdrücklich „wir“, weil ich nämlich seit ein paar Jahren immer von Amts wegen dabei sein muss! Seit mich nämlich die Presse hier in Düsseldorf ob meiner Funktion als „Igelrettungshund“ für sich entdeckt hat.

Und jetzt wollen natürlich Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen und Lehrer, dass auch ich unbedingt dabei bin, damit die Kinder nicht nur etwas über Igel, sondern auch über uns Hunde lernen.
 

Ich möchte nicht unbescheiden sein, aber nach den Igeln, die auf den Schoß genommen und am Bauch gekrabbelt werden dürfen, ist mein Auftritt zweifelsohne der Höhepunkt unserer kleinen Gastspiele, wie man unschwer an der Reaktion der Kindern erkennen kann. Und dafür mache ich auch gerne mal den Klassenclown und zeige ihnen, wie ein Häschen sitzt oder sich ein „müder Hund“ (den „toten Hund“ würde ich selbstverständlich verweigern!) hinlegt.
Ich begrüße alle (nur auf Kommando und nach entsprechender „Vorwarnung“, versteht sich!) lauthals mit einem freundlichen Bellen und reiche den  zahllosen ausgestreckten Kinderhändchen danach damenhaft meine Pfote, mal rechts und mal links, ich bin ja flexibel.


weitere Fotos

 Am Ende unserer kleinen Darbietung dürfen dann alle Kinder nach vorne kommen und mich nach Herzenslust knuddeln und streicheln, was besonders im Kindergarten sehr beliebt ist. Als echter Familienschäferhund lasse ich das geduldig über mich ergehen, weil's ja langfristig dem Image unserer Rasse mehr dient, als dass die gleichen Kinder später wie ihre Eltern die Straßenseite wechseln, wenn sie mal einem von uns begegnen.

Eine ganz besonders dankbare Aufgabe ist für uns alljährlich der Besuch im Seniorenheim mit der angeschlossenen Demenzstation. Nicht nur, dass es den alten Menschen offensichtlich gut tut, noch einmal einen Igel zu sehen oder gar anzufassen, sie scheinen sich auch königlich über Schäferhunde zu freuen, die sie ja oft aus der eigenen Jugend noch viel besser kennen als ihre Enkelkinder heutzutage. Manchmal muß ich mich sogar auf ausdrücklichen Wunsch bei den Patienten, die nicht einmal mehr im Rollstuhl an unserem Vortrag teilnehmen können, mit den Vorderpfoten auf die Bettkante stellen und mich anschauen lassen. Oder ihnen umgekehrt in die Augen sehen, wie man’s nimmt. Und anschließend sind dann nicht nur die Pfleger felsenfest davon überzeugt, dass ich den ein oder anderen Demenzkranken mit meinem Wesen doch noch einmal habe erreichen können.

Tja, Schäferhundeblick ist eben Schäferhundeblick, aber wem sag ich das.

Dass ich nach so einem ausgefüllten Hundejahr auch mal ein bisschen Urlaub brauche ist da nur selbstverständlich.

Und deshalb verbringen wir die Sommerferien immer in Schweden. „Urlaub für den Hund“ nennt meine Familie das ausdrücklich. Denn dort dürfen Hunde auch ohne Leine laufen, was wir auf unseren ausgedehnten Wanderungen auch reichlich nutzen. Neben den Wäldern (wahre Paradiese an Stöckchen!) gibt's dort überall Seen, wo ich nicht angebunden zuschauen muss, wenn Menschen im Wasser plantschen! Nein, wir machen auch da alles gemeinsam, toben im Wasser oder machen ein Wettschwimmen um ein Stöckchen.

Meistens hab ich dabei natürlich die Schnauze deutlich vorn, aber irgendeiner schafft es immer, sich an mir festzuhalten und mitziehen zu lassen. Das macht mir aber nichts, ich kenn das ja vom Wassertraining, wo ich sogar eine eigene Schwimmweste besitze, damit ich zurück ins Schlauchboot gehoben werden kann, wenn ich vorher rausgesprungen bin, um einen Schwimmring oder ein angeblich verlorenes Ruder zu holen.

Und auch auf den Winter freue ich mich immer: da geht's nach Spanien, wo ich mich als echte „Bergziege“ sogar auf Klettersteigen beim Bergwandern bewähre. Aber am besten sind die  Strände: menschenleer. Prima zum buddeln. Und alle mein!.

Was ich aber mit all dem hier eigentlich nur mal sagen wollte: wir Schäferhunde haben so viele tolle Eigenschaften, dass wir uns nun nicht auch noch wirklich alle als Schutzhund beweisen müssen. Unsere Zweibeiner wären nämlich rund um die Uhr beschäftigt, wollten sie alle diese unsere Familienhund-Fähigkeiten sinnvoll nutzen.......und wann sollten sie dann das Geld für mein Futter verdienen?